– Kommentar von David Ban, Chief Business Development Officer ClickClickDrive-

Den Traum vom Fliegen hat sich der Mensch bereits vor über einem Jahrhundert erfüllt. Seitdem wurden aus den klapprigen Metallgerippen von damals moderne Passagierjets. Flugzeuge sind längst keine Wundermaschinen mehr, auch für die meisten Piloten sind die Höhenflüge vorbei und werden längst nicht mehr als Halbgötter in Blau bezeichnet.

Fliegen ist zum Alltag geworden. Nie zuvor flogen weltweit mehr Passagiere durch die Lüfte als 2018: Gemäß den jüngsten Angaben der ICAO haben die Airlines auf der gesamten Welt im vergangenen Jahr bei rund 38 Millionen Starts 4,3 Milliarden Fluggäste befördert. Die Menge der zurückgelegten Flugkilometer pro zahlendem Passagier wuchs um 6,7 Prozent und erreichte rund 8,2 Billionen.

Technisch hat sich in den letzten Jahrzehnten allerdings wenig getan. Die Flugzeuge wurden zwar effizienter, sicherer und komfortabler, aber im Grunde genommen kamen keine neuen Passagierflug-Konzepte oder Innovationen hinzu. Genau dies ändert sich aktuell radikal. Mit den gerade stattfindenden Entwicklungen, Tests und Produktionen von so genannten Flugtaxis wird die Welt der Luftbeförderung revolutioniert – viele neue Konzepte werden mit einem klaren Ziel entwickelt: Die Kurz- und Mittelstrecken-Mobilität in die Luft zu bringen, damit eine innovative Art von Komfort zu erschaffen und vor allem Zeit zu sparen.

Kein Stau mehr auf dem Weg in die nächste Stadt

Was vor zehn Jahren noch wie Science Fiction klang, ist morgen schon Realität: Verstopfte Innenstädte, Stau auf den Autobahnen, überfüllte Züge – all das soll innerhalb der nächsten Jahre umgangen werden – dank des Einsatzes autonomer Taxis, die in die Lüfte steigen, anstatt sich durch den immer dichter werdenden Straßenverkehr zu kämpfen. Egal, ob auf dem Weg zum Flughafen oder in die nächste Großstadt. Firmen wie beispielsweise Daimler, BMW, Intel, Airbus, sowie diverse Startups arbeiten an der Umsetzung der Technik und wie ein realer Flugbetrieb organisiert werden kann. Allein dies zeigt, dass das Thema hochaktuell und zukunftsweisend ist.

Hier eine Auswahl der aktuell spannendsten Konzepte zum Thema Flugtaxis:

Lilium Jet

Mit 36 Elektromotoren, die jeweils auf einen kleinen Propeller wirken, geht Liliums fünfsitziger Jet an den Start. Das neue Fluggerät des deutschen Herstellers kann senkrecht starten und landen – daher kann man theoretisch überall einsteigen und losfliegen. Mit einer anvisierten Reichweite von rund 300 Kilometern soll er vor allem auf Mittelstrecken zwischen Städten zum Einsatz kommen. Auch kurze Strecken werden vereinfacht: Wer träumt nicht davon vom Alexanderplatz in Berlins Mitte stressfrei in 5 Minuten an einem der beiden Flughäfen zu sein? Grundsätzlich plant Lilium die Jets autonom durch die Lüfte schweben zu lassen. Aktuell wird allerdings seitens des Unternehmens geschätzt, dass es noch etwa zehn Jahre dauern wird, bis die Jets vollautonom fliegen dürfen. Ausgebildete Piloten sollen den Einsatz dieser Innovation beschleunigen.

Volocopter

Der Volocopter erinnert stark an einen kleinen Hubschrauber. Anstatt eines riesigen zentralen Rotors wird er von insgesamt 18 kleinen Rotoren per Elektro-Power angetrieben – ähnlich der Funktionsweise einer Drohne. Maximal zwei Personen sollen autonom und mit 100 km/h befördert werden. Etwa eine halbe Stunde lang kann der Volocopter fliegen. Wie auch der Lilium Jet kann er senkrecht starten und landen, ist aber wegen seiner kompakten Ausmaße und der geringeren Reichweite eher etwas, um vom Wannsee zurück nach Kreuzberg zu fliegen, sprich ausschließlich für Kurzstrecken geeignet. Für Pendler ein idealer Partner, um dem stressigen Stadtverkehr zu entfliehen.

Die erste konkrete Erprobungsphase startete das Unternehmen aus dem badischen Bruchsal 2017 in Dubai. Allerdings wird erst 2025 mit den ersten offiziellen Flügen gerechnet.

City Airbus

Airbus bezeichnet das kleine Fluggerät aus seiner Reihe als Fortbewegungsmittel der Zukunft im innerstädtischen Bereich. In Metropolen soll der autonom fliegende City Airbus eine echte Konkurrenz für das Auto und öffentliche Verkehrsmittel werden. Dieses Flugauto hat vier elektrisch betriebene Doppelrotoren und soll mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h insgesamt etwa 50 Kilometer weit fliegen. Ähnlich dem Volocopter hat der City Airbus eine sehr hohe Variabilität, da er senkrecht starten und landen kann. Entscheidender Unterschied hierbei: Er bietet vier, anstatt zwei Personen Platz.
Die offizielle Einführung des kleinsten aller Airbusse wird jedoch nicht vor Mitte des nächsten Jahrhunderts erwartet.

Skai

Das amerikanische Startup Alaka‘i Technologies hat zusammen mit BMW-Designworks ein vollautonom fliegendes und fünfsitziges Flugtaxi entwickelt, dass es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h und auf eine Reichweite von bis zu 640 Kilometer bringen soll. Grund für die enorme Reichweite ist, dass die sechs Elektromotoren von drei Brennstoffzellen angetrieben werden. Diese generieren ihre Energie aus Wasserstoff in 400 Liter großen Tanks. Damit ist genug Energie an Bord, um deutlich weiter fliegen zu können als die gesamte Konkurrenz, die auf einen Akku als Energielieferant setzt. Zudem können die Tanks in knapp 10 Minuten wieder aufgeladen werden, sodass der Flug so schnell wie möglich weitergehen kann. Dagegen wäre ein Akku mit vergleichbarer Kapazität bzw. Energieleistung nach dem heutigen Stand der Technik nicht so schnell wieder mit voller Leistung im Einsatz. Sollte doch mal die Energie des Flugtaxis von Alaka’i komplett aufgebraucht worden sein, ist ein Fallschirm verbaut, der das Flugtaxi und seine Insassen im Notfall sanft zu Boden gleiten lässt.
Dank der großen Reichweite wären Strecken von München nach Hamburg kein wesentliches Hindernis für die neue Innovation von Alaka’i. Wie bei der Konkurrenz kann die Reise bequem von überall aus mit Hilfe der senkrechten Start- und Landetechnik angetreten werden und auch Kurzstrecken, wie beispielsweise von einem Bezirk zum anderen, als wahren Katzensprung erscheinen lassen. Der Erstflug des Flugtaxis von Alaka’i Technologies ist noch für dieses Jahr geplant. Wann der Skai zum regulären Einsatz abheben wird, ist bislang noch offen.

Silent Air Taxi

Im Jahre 2024 soll bereits das Kleinflugzeug Silent Air Taxi zum Wettbewerb antreten. Die RWTH und die Fachhochschule Aachen stellten dazu vor kurzem das elektrohybride, fünfsitzige Flugzeug vor. Wie bereits der Name vermuten lässt, ist das Highlight dieser smarten Lösung der niedrige Geräuschpegel. Endlich wird es ruhiger auf Deutschlands Straßen, da das Flugauto ab einem Abstand von 100 Metern nicht mehr zu hören sein soll. Laut den Angaben der Kooperation der RWTH mit der FH Aachen benötigt das Silent Air Taxi eine Startbahn von maximal 400 Metern Länge, soll über 300 Km/h schnell sein und bis zu 1000 Kilometer weit fliegen können. Flüge mit dieser smarten Lösung für den Intercity- und Zubringer-Verkehr sollen dabei nicht mehr kosten als das Ticket für den ICE, was sie für viele Pendler zur attraktiven Alternative machen dürfte. Jedoch wird beim Silent Air Taxi, im Gegensatz zu allen bisher genannten Fluggeräten, grundsätzlich ein Pilot mit an Bord sein und den Flug aktiv durchführen.

Anhand dieser vielen, spannenden Beispiele und den neuesten Ideen, Konzepten und Entwicklungen wird klar, dass in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren einiges im Luftraum passieren und sich verändern wird. Allerdings müssen wir uns noch etwas gedulden, bis die offiziellen Zulassungen seitens der Behörden erteilt und alle Fluggeräte vollkommen serienreif sind.

Brauchen wir bald einen Führerschein für die Luft?

Ein Fluggerät, das es bereits heute gibt und noch dieses Jahr eine Zulassung haben soll, ist das Flugauto Liberty des niederländischen Unternehmens PAL-V. Es ist ein benzinbetriebener Zweisitzer, der sowohl Auto als auch als Flugzeug zu verwenden ist und schon 2019 auf die Straße bzw. in die Luft kommen soll. Innerhalb von 5 Minuten kann das Fahrzeug sich in einen Gyrocopter verwandeln und losfliegen.

Der Traum, morgens vor der Haustür einfach abzuheben oder mal eben mit dem Flugauto über den Stau hinweg zu fliegen, ist leider nicht ganz so einfach zu verwirklichen: Ist der Liberty als Fahrzeug auf der Straße unterwegs, gelten für ihn die Rechte und Pflichten eines konventionellen Autos – möchte man allerdings damit fliegen, muss er von einem Flugplatz aus starten. Neben dem Führerschein muss also auch zusätzlich ein Flugschein erworben werden. Für das Fliegen braucht man damit die entsprechende Spezialausbildung und muss neben der Fahrschule auch, wohl oder übel, die (Piloten-)Schulbank drücken. Warum also nicht gleich beides machen und eine Fahrschule in der Nähe einer Pilotenschule suchen und dann mit dem Liberty oder einer anderen Flug-Alternative durchstarten?

Bevor es mit den autonomen Flugtaxis losgeht lohnt es sich auf jeden Fall – wenn man sich für individuelle Flugmobilität auf Kurz- und Mittelstrecken interessiert, die vor der Haustür startet – zu überlegen, das Ruder in die Hand zu nehmen und eine entsprechende Fahr- oder eher Flug-Ausbildung zu machen, um durchzustarten. Denn sind wir mal ehrlich: Was gibt es Schöneres als selber das Steuer in der Hand zu halten und die Freiheit zu genießen!

Über den Autor:

David Ban ist Chief Business Development Officer (CBDO) für ClickClickDrive.
ClickClickDrive wurde 2017 in Belgien mit der Vision gegründet, die Fahrschul-Branche zu digitalisieren. Hierfür entwickelte ClickClickDrive eine Online-Plattform, die eine All-in-One Softwarelösung zur Verwaltung von Fahrschulen bietet. Fahrschüler können auf der Website eine Fahrschule finden und sich über die ClickClickDrive-App bestmöglich auf die theoretische Prüfung vorbereiten. https://www.clickclickdrive.de/.


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